Joy Fielding - Die Schwester | She's not there




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Autorin: Joy Fielding
Titel: Die Schwester
Seitenanzahl: 443
Verlag: Goldmann (2. Auflage, November 2017)
Genre: Roman

                                                                                                      




Ein kleines Mädchen verschwindet. Jahre später wird ihre Mutter mit der schrecklichen Wahrheit konfrontiert...

Caroline Shipley ist eine glückliche Mutter von zwei kleinen Mädchen. Doch dann wird ein Familienaufenthalt in Mexiko zum Albtraum ihres Lebens, denn ihre zweijährige Tochter Samantha wird aus der Hotelsuite entführt. Alle Bemühungen, das Kind zu finden, sind vergebens. Carolines Ehe scheitert schließlich daran, und obwohl die Jahre vergehen, leidet sie noch immer unter ihren Schuldgefühlen. Da erhält sie eines Tages den Anruf einer jungen Frau, die behauptet, Samantha zu sein. Caroline steht unter Schock - und wird schließlich mit der Wahrheit konfrontiert, die sie von Neuem vor den Abgrund stellt...


Dieses Buch schenkte mir mein Bruder zum Geburtstag. Sofort hat mich der Klappentext angefixt. Trotzdem hatte ich das Gefühl, die Geschichte zu kennen, konnte mich aber nicht mehr an Einzelheiten erinnern. Also recherchierte ich und fand den (realen) Fall von Madeleine McCann aus Großbritannien, die im Alter von drei Jahren während eines Urlaubs in der Algarve (Portugal) aus einer Ferienanlage entführt wurde, unterdessen aßen ihre Eltern mit drei befreundeten Ehepaaren zu Abend. Auch im realen Fall schauten die Paare abwechselnd jede halbe Stunde nach den Kindern. Im Gegensatz zur Story im Buch hatten in der Realität allesamt kleine Kinder, die ebenso in den Ferienwohnungen schliefen.

Hauptcharaktere in Joy Fielding's Geschichte ist Familie Shipley.

Caroline Shipley ist die Mutter von Michelle und Samantha und hat leider die schwierigste Rolle zugewiesen bekommen. Zum einen wurde ihr Kind entführt, zum anderen stand die Beschuldigung im Raum, dass sie selbst mit dem Verschwinden zu tun haben könnte. Außerdem scheint sie am stärksten unter dem alljährlichen Medienrummel zu leiden und wird sowohl von Reportern, als auch ihrer Familie oftmals ungerecht behandelt.

Hunter Shipley ist der Vater der Kinder und (Ex-)Ehemann von Caroline. Er selbst kommt in der Zeit nach Samanthas Verschwinden recht gut davon. Trotzdem verhält er sich oft wie ein Arschloch und verurteilt Caroline für jeden (wenngleich abwegigen) Schritt, den sie unternimmt, um Samantha zu finden.

Michelle "Micki" Shipley ist die älteste Tochter der beiden und gilt als "schwierig". Die meiste Zeit ist sie launisch, laut und fordernd. Zudem behandelt sie ihre Mutter eher, als wär diese das Kind. Die beiden streiten sich oft. Dadurch empfand ich fast durch das gesamte Buch hinweg eher Abneigung gegenüber Michelle. Ich muss gestehen, dass ich schon begann die Augen zu rollen, wenn ein neuer Wutausbruch kam. Schlussendlich hat sie jedoch die größte (Charakter-)Entwicklung durchlebt.

Samantha Shipley - das verschwundene Kind ist eher ruhiger und verständnisvoller Natur. Sie scheint zu einer starken jungen Frau herangewachsen zu sein.

Auch  Peggy (die beste Freundin von Caroline) und Fletcher Banack, Steve (Caroline's Bruder) ,Becky (Steve's Frau) und Mary Tillmann (Caroline's Mutter) spielen entscheidende Rollen in dieser Geschichte.

Abwechselnd berichten die Kapitel über die Ereignisse der Vergangenheit und der Gegenwart. Wohingegen die Vergangenheit jahresmäßig immer näher an die Gegenwart rückt, bis sie sich schlussendlich "treffen". Dadurch erfährt der Leser genau, was im Zeitraffer der letzten fünfzehn Jahre passierte und wie die Erlebnisse mit der Gegenwart verknüpft sind.
An einigen Stellen wurden meine Vorahnungen bestätigt, die sich im laufe des Lesefortschritts entwickelten. An anderer Stellen hingegen kamen Wendungen und Ereignisse überraschend. Viele Höhen und Tiefen runden das gesamte Storytelling ab und sorgen für Spannung. Ähnlich, wie in den meisten Büchern, kommt der große Paukenschlag und die Auflösung der Geschehnisse am Ende. Trotzdem muss ich sagen, dass ich Fielding sehr dankbar bin, dass sie nicht alles mit der Wahrheit am abschloss, sondern danach noch eine herzerwärmende Schlussszene anfügte.

Fielding hat einen unglaublich flüssigen Schreib- und realistischen Erzählstil, sodass ich nach nur wenigen Seiten komplett in der Geschichte gefangen war. Nicht als Leser, sondern eher als unsichtbarer Zuschauer. Ihre Figuren sind so real und authentisch, man kann buchstäblich mitfühlen.

Fazit:
Die (leider) lebensnahe Geschichte hat mich völlig in ihren Bann gezogen. Ich habe mitgefiebert, empfand Hass, Mitleid, Trauer und Freude. Am liebsten hätte ich das Buch in einem Rutsch fertig gelesen, doch leider fordern Job und Studium nach wie vor zusätzliche Zeit.
Schlussendlich bin ich meinem Bruder für dieses Buch äußerst dankbar, denn ich werde definitiv mehr von ihr lesen.

♥️♥️♥️♥️


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